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BEISPIELE FÜR UNSERE SEMINARE

                

 

»IST JUDE EIN SCHIMPFWORT?«

Über viele Jahre wurde Antisemitismus in Deutschland als ein historisches und somit vergangenes Phänomen betrachtet. Der Anstieg rechtsextremer und antisemitisch motivierter Gewalt sowie die Verbreitung und zunehmende Akzeptanz antisemitischer Ressentiments verweisen jedoch – ebenso wie die Ergebnisse einer Vielzahl von Studien – auf gegenwärtige Erscheinungsformen von Antisemitismus. Eingebettet in aktuelle Bezüge zeigt sich die Überlebenskraft judenfeindlicher Denkfiguren in vielen Facetten und entzieht sich rationaler Gegenargumentation. Das typisierte Bild von Juden scheint wichtige Funktionen zu erfüllen und existiert unabhängig von der realen Begegnung mit Juden oder Judentum.
So ist z. B. » Du Jude « auf vielen Schulhöfen ein häufig benutztes Schimpfwort. Die Klärung solcher Vorfälle bedarf einer tieferen Betrachtung und kann nicht allein mit moralischem Appell gelöst werden. Für die Entwicklung antisemitismuskritischer Bildungs- und Beratungsansätze braucht es neben der Fähigkeit zur Multiperspektivität, Kenntnis über tradierte judenfeindliche Stereotype und ihrer Transformation in aktuellen Formen von Antisemitismus sowie über Mechanismen von Wir-Die-Konstruktionen.

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DIVERSITY-Training

Wir leben in einer Gesellschaft, die eine Bandbreite an Weltanschauungen und Erfahrungswelten, Sprachen und Identitäten, Milieus und soziokulturellen Hintergründen mit sich bringt. Durch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen – Migration, Flucht und Asyl – geraten an vielen Orten bundesweit, aber auch in Thüringen, Fragen nach Bedingungen gelebter Pluralität zunehmend in den Blick der Auseinandersetzung. Gerade für soziale und pädagogische Einrichtungen – Behörden, Schulen, Kitas, Beratungsstellen – ergibt sich ein zunehmender Bedarf nach diversitätsorientierten Haltungen, Qualitätsstandards und Arbeitskulturen.

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»INTERKULTURELLE KOMPETENZ« – EIN ZAUBERMITTEL?

Im Alltag wird »Kultur« größtenteils ethnisch und national definiert. Die soziale Interaktion mit Menschen und Gruppen findet oft im Rahmen dieser engen und reduktionistischen Referenzhorizonte statt wodurch viele andere bedeutsame Aspekte der individuellen oder sozialen Identität unsichtbar gemacht werden. Das Seminar zielt auf die Beschäftigung mit der eigenen sozio-kulturellen Eingebundenheit mit dem Ziel, eine kritische Perspektive auf Ethnizität und Ethnisierung zu entwickeln. Denn was wir vertraut oder fremd finden, was uns als selbstverständlich erscheint und wofür wir kein Verständnis haben – all das wird durch individuelle Prägungen bestimmt und von gesellschaftlichen Leitsätzen sowie aktuellen und tradierten gesellschaftlichen Diskursen mitgestaltet. Das Seminar regt zum differenzierten Umgang mit dem Begriff »Kultur« an und entwirft veränderte Perspektiven auf vermeintlich kulturell bedingte Problemlagen.


DIFFERENZVERHÄLTNISSE UND ALLTAGSDISKRIMINIERUNGEN

In zahlreichen Situationen finden in unserem Alltag Diskriminierung und Ausgrenzung statt. Die Herabwürdigung von Einzelpersonen und Gruppen kann sich auf jedes einzelne von außen zugeschriebene Merkmal beziehen. Der komplexe Zusammenhang zwischen den verschiedenen Formen und Ebenen von Diskriminierung reicht in vielen Fällen tief hinein in die institutionellen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen des Alltags und des pädagogischen Handelns. Ziel des Seminars ist es, die verschiedenen Dimensionen der Voreingenommenheit und der Diskriminierung in ihrer alltäglichen Relevanz erkennbar zu machen und die Einsicht in die Notwendigkeit einer aktiven Haltung und Handlung gegen Diskriminierung zu stärken. In Anlehnung an den Anti-Bias-Ansatz bietet das Seminar Handlungsoptionen im Umgang mit Diskriminierung an.


DISKRIMINIERUNGSKRITISCHE BILDUNGSANSÄTZE

Pädagogische Fragestellungen entstehen nicht in einem wertneutralen Raum. Sie sind Gegenstand und Ergebnis historischer Entwicklungen, politischer Entscheidungen und sozialer Dynamik. Eine intensive Auseinandersetzung mit diesen Faktoren ist grundlegend für die Modifikation eigener Handlungsbzw. Diskriminierungsmuster. Mittels Selbstreflexion und in Anlehnung an den Anti-Bias-Ansatz kann das Verständnis für die je eigene Verstrickung in die internalisierten Vorurteilsund Diskriminierungsdimensionen gefördert werden. Der Ansatz stammt aus dem Bereich der anti-rassistischen Bildung und bietet ein breites Repertoire interdisziplinärer Methoden für eine macht- und diskriminierungskritische Erziehungs-, Bildungs- und Beratungspraxis. Das Seminar ermöglicht einen intensiven Austausch über subjektive Erfahrungen, Haltungen und Zuschreibungsprozesse, die in der Gesellschaft verankert sind. Die durch das Seminar initiierten Lernprozesse setzen auf die Analyse vorherrschender Differenzverhältnisse und gesellschaftlicher Machtasymmetrien sowie auf die Reflexion des eigenen beruflichen Selbstverständnisses – der Ziele, Werte und Arbeitsmethoden.


MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN VON INKLUSION

Mit der Forderung nach Inklusion wird häufig ein Anspruch auf weitreichende gesellschaftliche Veränderungen erhoben. Diese Entwicklung braucht aber nicht nur den geregelten gesetzlichen Rahmen, sondern sie benötigt auch ein abgeklärtes Selbstverständnis aller Beteiligten. Inklusion ist vorerst eine Haltung. Sie beginnt im »Kopf« und setzt umfassende Reflexionsprozesse voraus. Hierfür ist zunächst die Arbeit an subjektiven Einstellungen und Verhaltensweisen der erste Schritt. Im zweiten Schritt ist der Blick auf den institutionellen Kontext sehr bedeutsam. Diese Fortbildung kann dazu beitragen, ressourcenorientiert und praxisnah in einem gemeinsamen Prozess Inklusionshindernisse aufzuspüren und inklusive Möglichkeitsräume auszuloten. Das Leitziel ist dabei die Förderung einer berufskulturellen Reflexion im Hinblick auf Inklusionsprozesse in den eigenen Einrichtungen. Dies umfasst eine Auseinandersetzung mit eigenen Haltungen, Lernverständnissen, aber auch mit Strukturen, in denen Bildung, Beratung und Erziehung stattfi nden. Langfristig gesehen können Bedarfe erkannt und inklusive Lernräume etabliert werden, in welchen Kinder und Jugendliche sich nicht trotz, sondern aufgrund ihrer Verschiedenheit anerkannt fühlen sowie individuelle Unterstützung erfahren.